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Schloss Wetzlas - Geschichte

Wetzlas, das auf den Personennamen Wezzili zurückgeht, wurde erstmals im Jahr 1271 urkundlich erwähnt. Die Herrschaft Wetzlas bildete ursprünglich ein eigenes Amt und war Sitz einer Wirtschaftsverwaltung. Im Jahre 1604 wird das „Wetzlinger Amt“ erwähnt.

 



Schloss Wetzlas, Federzeichnung von Julius Schnorr von Carolsfeld, 1815;
Wien, Graphische Sammlung Albertina;
Foto: Albertina

 

Im Jahre 1624 erwarb Ehrenreich Freiherr von und zu Kainach Leonrod und Ainödt, Mitglied eines alten steirischen Adelsgeschlechts, das herrschaftliche Gut, nachdem er schon zuvor durch Heirat mit Margarete Gräfin von Hardegg in den Besitz der nahegelegenen Herrschaft Waldreichs gelangt war.

Ab dem Jahre 1632 war Melchior Geyer von Geyersberg Besitzer der Herrschaft Wetzlas, die 1657 in den Besitz von Balthasar von Walderode auf Dobra und 1664 auf Johann Baptist Walderode Reichsfreiherr von Eckhausen auf Wetzlas überging. Die Herrschaften Dobra und Wetzlas wurden in dieser Zeit vereinigt.

Im Jahre 1688 war Maria Juliana Freiin von Megier Besitzerin der Herrschaft Wetzlas. Im Jahre 1699 erwarb sie Johann Reichhardt Scheffer Freiherr zum Schlug und Reichsfreiherr von Dobra auf Tiefenbach und Wetzlas. Im selben Jahr erteilte Kaiser Leopold I. die Genehmigung, den Gutshof Wetzlas zum Schloss auszubauen.

Im Jahre 1715 übernahm der einem alten spanischen Geschlecht entstammende Ignaz Philip Freiherr von Ehrmans die Herrschaft Wetzlas. Von ihm wurde der Herrensitz zum Schloss in seiner heutigen Form ausgebaut. Im Jahre 1725 erfolgte der feierliche Einzug in das Schloss erfolgte im Jahr 1725, die Herrschaft Dobra wurde zugleich in Herrschaft Wetzlas umbenannt und die seit 1230 bestehende ehemalige Kuenringerburg Dobra dem Verfall preisgegeben.

Johann Felix Freiherr von Ehrmans übernahm die Herrschaft Wetzlas im Jahre 1729 und erbaute noch im selben Jahr den Astronomischen Turm und legte den Schlosspark im Stile eines englischen Gartens an. Im Verlauf des 17. und 18. Jahrhunderts war die Herrschaft Wetzlas zeitweilig mit den Herrschaften Dobra, Waldreichs, Krumau, Tiefenbach, Idolsberg und Eisenberg vereinigt.

Anfang des 19. Jahrhunderts war die Herrschaft Wetzlas im Besitz von Johann Josef Friedrich Graf von Stiebar, der sie im Jahre 1814 schließlich an Heinrich Freiherrn von Pereira-Arnstein veräußerte. Als Abkömmling einer portugiesisch-niederländischen Bankiersfamilie (Bankhaus Arnstein & Eskeles) war dieser seit 1800 in Wien ansässig und einer der wohlhabendsten Juden des Reichs. Durch die 1810 erfolgte Konversion zum Katholizismus fand die Familie Zugang zu den führenden gesellschaftlichen Kreisen des Wiener Biedermeier, die die Landschaft rund um das Kamptal damals schon als pittoreskes Reiseziel entdeckten und beschrieben.

Durch den von der berühmten Fanny von Arnstein begründeten musikalisch-literarischen Salon, der von ihrer Tochter Henriette von Pereira-Arnstein weitergeführt wurde, stand die Familie in Verbindung mit zahlreichen Künstlern dieser Zeit. So verkehrten die Dichter Franz Grillparzer, Adalbert Stifter und Clemens von Brentano sowie die Musiker Ludwig van Beethoven und Felix Mendelssohn-Bartholdy regelmäßig in deren Salon und waren Sommergäste im Schloss.

Die Pereiras erwarben in der Folge auch die Schlösser Waldreichs, Allentsteig und Schwarzenau sowie die verfallene Burg Krumau hinzu. Letztere wurde wieder aufgebaut, um sie als Jausenstation für die Ausflüge von Wetzlas aus zu nutzen.

Im Jahre 1842 wurde Wetzlas an Ritter Franz von Andreae verkauft. Dieser vergrößerte das Schloss noch im selben Jahr um ein Geschoß über dem Haupttrakt und ließ die Schlosskapelle erweitern.

 



Baronin Henriette von Pereira-Arnstein mit ihrer Tochter Flora
(Gemälde von Friedrich Amerling, 1833; Wien, Österreichische Galerie)
Foto: Studio Otto, Wien

 

Im Jahre 1876 ging die Herrschaft Wetzlas in den Besitz von Josefine Freiin von Spillmann über und im Jahre 1907 an deren Sohn Alfred von Spillmann, der den Besitz im Jahre 1919 um 1,3 Millionen Kronen an Philipp Graf Gudenus veräußerte. Im Jahre 1925 verspielte Graf Gudenus Schloss und Gut mit damals noch rund 1000 ha Land- und Forstwirtschaft beim Bridgespiel während einer einzigen Nacht.

 



Alte Ansichtskarte: Sommerfrische Wetzlas mit Schloss, 1910

 

Mit hohen Schulden übernahm Prinz Friedrich von Schönburg-Waldenburg Schloss Wetzlas 1926, musste es aber schließlich 1932 im Zug einer Zwangsversteigerung der Pressburger Ersten Sparbank überlassen. Diese verkaufte 1940 Wetzlas an das Deutsche Reich und die Liegenschaft wurde dem Truppenübungsplatz Döllersheim einverleibt.

Nach Kriegsende 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht beschlagnahmt, wurde das Gut Wetzlas mit den noch verbliebenen rund 300 ha Landwirtschaft unter sowjetischer Verwaltung als USIA-Landwirtschaftsbetrieb geführt.

 



Alte Ansichtskarte: Schloss Wetzlas, 1933

 

Nach dem Abzug der Besatzungstruppen im Jahre 1955 wurde Schloss Wetzlas als öffentliches Eigentum der Republik Österreich unter die Verwaltung des Landes Niederösterreich gestellt. In der Folge wohnten im Schloss bis zu 28 verschiedene Familien. Anfang der Sechzigerjahre verkaufte die Republik den gesamten Grundbesitz, die Schlossgebäude selbst wurden dem Verfall preisgegeben. Mehrfache Brandstiftungen im Jahr 1963 zogen die Schlossanlage weiter in Mitleidenschaft: ein Teil der Wirtschaftsgebäude und die ehemaligen Personalwohnungen brannten nieder.

 



Alte Ansichtskarte: Schloss Wetzlas, Innenansicht

 

Im Jahre 1964 gelangte Schloss Wetzlas wiederum in private Hände. Im Jahre 1991 erwarb der Publizist und Buchautor Hans Pretterebner das zu diesem Zeitpunkt schon akut vom Verfall bedrohte Schloss und begann mit der grundlegenden Sanierung und Revitalisierung der gesamten Anlage.

In der Vergangenheit wurde Schloss Wetzlas bereits mehrmals als Kulisse für bekannte Fernsehserien oder Kino-Spielfilme gewählt: So etwa 1972 für die Fernsehserie “Die Abenteuer des braven Soldaten Schweijk“ mit Fritz Muliar und Heinz Marecek in den Hauptrollen.


„Die Abenteuer des braven Soldaten Schweijk“ im Schloss Wetzlas 

Und auch der 1998 produzierte Kinofilm „Drei Herren“ mit Karl Markovics, Karl Merkatz und Ottfried Fischer wurde teilweise im Schloss Wetzlas gedreht.


„Drei Herren“ im Schloss Wetzlas 

Im Jahr 2001 wurde das Schlossgebäude für den Jugendgästehausbetrieb adaptiert und danach einige Jahre lang von Pächtern geführt. Seit 2009 wird der größte Teil der Gebäude samt dem 6,5 Hektar großen eingefriedeten Schlosspark vom Schlosseigentümer selbst und seiner Familie als Ferienschloss betrieben.

Insgesamt umfasst die Liegenschaft Schloss Wetzlas heute samt dem Schlosspark, einiger außerhalb der Einfriedung gelegener landwirtschaftlich genutzter Flächen und dem Schlossteich eine Grundstücksfläche von 83.484 m². Die Nettonutzfläche der Gebäude beträgt inklusive Schlosskapelle, Turm und Stallungen rund 3.200 m².

Der ehemalige Herrschaftssitz steht zur Gänze unter Denkmalschutz. Im Schlosspark wurden acht rund 300 Jahre alte Bäume (vier Eichen, zwei Blutbuchen, ein abendländischer Lebensbaum und ein Tulpenbaum) zu Naturdenkmälern erklärt und mit Plaketten der Naturschutzbehörde versehen.


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